SILVANER AUF DER PROWEIN: SAMS’S ELEVEN

SILVANER AUF DER PROWEIN: SAMS’S ELEVEN

Das Schöne an der Prowein sind aus meiner Sicht nicht tausende angestellte Flaschen, nicht die persönliche Begegnung mit Winzerinnen und Winzern, auch nicht die jungen Damen an den Ständen, die mit bezauberndem Lächeln versuchen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Nein, ich finde vor allem die Seminare interessant, die themenbezogenen Verkostungen und Präsentationen, die in großer Zahl auf der Messe angeboten werden. Denn genau dort findet der Messebesucher wirkliche Information und inhaltliche Tiefe. Bestes Beispiel dafür: „Best of Silvaner by WeinPlus.de“. Sperriger Titel, launige Veranstaltung. Was natürlich an den präsentierten Weinen lag – aber nicht weniger auch am Referenten.

Er verkostet schneller als sein Schatten, manchmal zieht er auch aus der Hüfte, aber (fast) immer trifft er sein Ziel: Marcus „Sam“ Hofschuster ist ein präziser und erfahrener Verkoster, seine Notizen bilden die Basis der Internetplattform „Wein-Plus“. Der Mann hat ein Faible für Silvaner, denn: „Silvaner hat im Vergleich zum Riesling weniger Sortentypizität. Deswegen drückt Silvaner den Boden viel besser aus“. Und Sam mag es, wenn der Boden im Glas zu schmecken und zu spüren ist. Aus dem ziemlich guten Jahr 2015 hat er elf Silvaner ausgesucht, die seiner Meinung nach das Potential der Rebsorte aufzeigen und exemplarisch für den Qualitätssprung beim Silvaner stehen. Es hätten sogar noch mehr Weine sein können, „ … eigentlich wollte ich 17 Weine mitbringen, aber das hätte den Rahmen gesprengt …“.

Wie jeder gewissenhafte Referent beginnt er seinen Vortrag erstmal mit ein bißchen Grundlagenwissen. Also wo der deutsche Silvaner herkommt (Österreich), wo er seine ideale Wachstumsvoraussetzungen hat (Franken), wie er idealerweise ausgebaut wird (trocken). Das muss wohl so sein, schließlich kann ja nicht jeder Seminarteilnehmer alles wissen. Schon gar nicht, daß Silvaner laut Hofschuster national und international noch vollkommen unterschätzt wird.

Marcus ‚Sam‘ Hofschuster, Chef-Verkoster ‚Wein-Plus.de‘

Vor allem als Speisebegleiter. Das zeigt sich auch an der eher geringen Anbaufläche: Im weltweiten Ranking ist der Silvaner auf Platz 91, in Deutschland auf Platz 5, bei Weiss immerhin auf Platz 3. So. Genug Gebabbel, Butter bei die Fische und Wein ins Glas.  Zum Warmwerden mit der Rebsorte der erste Flight:

Weingut Am Stein, Stettener Stein Silvaner GG 2015

Weingut Staatlicher Hofkeller, Würzburger Stein Silvaner GG 2015

In einem eher warmen Jahr wie 2015, braucht es ein wenig Maischestand beim Silvaner. Um der Süsse etwas Gerbstoff entgegen zu setzen. meint Sam. Der Staatliche Hofkeller hat das wohl berücksichtigt, den Würzburger Stein hat Sam seit Jahren nicht so gut erlebt, wie er sagt. Und beantwortet die Frage ob de noch verschlossen wirkende, mineralisch-feste Wein noch Zeit brauchen wird mit einem ausdrücklichen ‚JA‘!. Der Stettener Stein steht etwas dahinter, wirkt verhaltener, ist nicht ganz so lang. Der Hofkeller mit seiner festen Struktur hat mehr Zukunft, davon eist er überzeugt.

Dann war aber Schluss mit Kuscheln: Der zweite Flight bringt schwefelfreien Trübsinn, will sagen, das Glas wurde mit leicht milchig-trüber Flüssigkeit gefüllt.

Weingut Schätzel, Silvaner „Querkopf“ 2015

Weingut Krämer, Silvaner „Silex“ 2015

Ohne Schwefel schmeckt das schon ein wenig wie ein Glas frisch gepresster Rhabarbersaft. Was für den ungeübten Weintrinker zumindest eine Herausforderung darstellt, waren für Sam schlicht die Weine des Tages. Er mag das, die wilde Aromatik, das Karge und Fordernde der Weine. das mag schon alles sein – aber die ungefilterte Herrlichkeit mag aromatisch ihre Vorteile haben – rein optisch sind sie gewöhnungsbedürftig. Und die Gläser muss man auch erstmal spülen. Denn was sich da im Glas an Heferückstand angesammelt hat. Zu den Weinen lässt sich geschmacklich sagen, dass Rheinhessen richtig aufholt, da kommt immer mehr Würze ins Glas, auch unterstützt durch den Maischestand im Hause Schätzel. Stefan Krämers ‚Silex‘ ist sicher der Aussergewöhnlichste Wein des Tages. Wer den Winzer kennt, weiß das einzuschätzen. Der will es genau so.

Weingut Rainer Sauer, Escherndorf Am Lumpen 1655 Silvaner GG 2015

Weingut Weltner, Rödelseer Küchenmeister Silvaner GG „Hoheleite“ 2015

Kein Best of Silvaner ohne Sauer und Weltner. Muschelkalk gegen Gipskeuper. Lumpen gegen Küchenmeister. Der Sauer Silvaner ist noch ein wenig buttrig, laktisch, zeigt sich aber schon zugänglich. Und wie es sich gehört bei einem Hofschuster-Silvaner Tasting taucht hier der sogenannte Wirsching- Graben auf. Denn der Keuper Silvaner von Weltner ist aromatisch noch komplett verschlossen, da schmerzen die Zähne und das Zahnfleisch wird blass. Der Wein braucht einfach Zeit, die ihm aber bei den Tastings selten gegeben oder präziser – zugebilligt – wird. Mehr zum Thema „Was mache ich mit Silvaner vom Keuper?“ unter dem Hashtag #wirsschinggraben oder hier.

Weingut Johann Ruck, Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG „Trias“ 2015

Weingut Fürst Löwenstein, Homburger Kallmuth Silvaner GG „Asphodill“ 2015

Spätestens jetzt zeigt sich die große Stärke des Silvaner: Seine Vielfältigkeit, seine Fähigkeit den Boden deutlich zum Ausdruck zu bringen. Diese Stärke ist aber auch sein größtes Problem, denn wirklich festlegen kann man ihn nicht, die geschmackliche Bandbreite überfordert viele Weintrinker. Und dabei sind auch viele Profis ausdrücklich eingeschlossen. Der 2014 Asphodill war immerhin Deutschlands Bester Silvaner, laut Sam, bzw. Wein-Plus. Und auch der Nachfolger ist ziemlich kräftig im Mund, nussig, hefig etwas alkoholwarm. Hat genügend Substanz um trotz des Alkohols einigermaßen in der Balance zu bleiben. Der Alkohol ist auch beim Julius-Echter-Berg von Ruck ein Thema. Aber dessen Weine mag Sam einfach wegen der kühlen mineralischen Spur in der Mitte, egal wie hoch im Alkohol. Oder anders ausgedrückt: „Wenn Silvaner fruchtig ist, stimmt was nicht“.

Weingut Zehnthof Luckert, Sulzfelder Maustal Silvaner GG 2015

Die Nummer 11 hatte es nach den mineralisch-alkoholischen Vorgängern nicht ganz einfach, aber die Kurkuma Würze, die laut Hofschuster die Weine der Luckerts auszeichnet, war trotzdem zu spüren. Wieder ein Beispiel für die These, daß Silvaner alles andere als langweilig ist, seine Vielfalt macht ihn eigentlich zu einem Winzerwein, der Winzern und ihren Böden ein geniales Instrument bietet. Bevor es zu lyrisch wird und der guten Ordnung halber, hier noch alle „Sam’s Eleven“, wie ausgeschenkt, die Flights:

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