Burgunder treffen Franken auf der Pro Wein

Burgunder treffen Franken auf der Pro Wein

Es sind nur noch zwei Wochen, dann geht der Wahnsinn Pro Wein wieder los. Die Spannung – und mit ihr die Anzahl der nichtssagenden Last-minute-Einladungen – steigt mit jedem Tag, die persönliche Liste der Weingüter, die besucht und der Weine die probiert werden müssten, ist jetzt schon komplett unübersichtlich. Trotzdem gibt es immer wieder kleine Entdeckungen im Programm, für die noch Platz gefunden werden muss. Letzte Entdeckung: Was mit Spätburgunder und Pinot Noir.

Schatzkammer Bürgerspital Würzburg

Wenn die Rede auf fränkischem Spätburgunder kommt, denke ich an Paul Fürst, Benedikt Baltes, Rudolf May, Martin Schmitt. Die Liste ließe sich noch verlängern, nicht beliebig, aber doch um ein paar Positionen. Die vier genannten haben in den letzten Jahren – bei Paul Fürst sind es schon Jahrzehnte – mehr als einmal bewiesen, daß sie in Tastings mit den großen Weinen des Burgund mithalten können. Was mich jedes Mal gleichermaßen erfreut – wahrscheinlich aus nationaler Verbundenheit – wie auch ratlos macht. Denn warum sollte sich der Wert deutscher Pinot Noir/ Spätburgunder vor allem im Vergleich mit französischen Weinen zeigen? Weil die Pinots aus dem Burgund das Maß der Dinge ist?

Paul Fürst Spätburgunder „R“ Centgrafenberg 2001

Seien wir mal ganz ehrlich: In aller Regel (die Profiveranstaltungen wie die Pro Wein nehme ich hier aus) werden Äpfel mit Birnen verglichen. Ein Bourgogne Pinot Noir aus einer Village Lage kann ein ziemlich banaler Wein sein. Dünn, säuregeprägt, wenig Struktur, von Finesse gar keine Spur. Solche Burgunder Weine hat wahrscheinlich jeder Weintrinker schon einmal im Glas gehabt und sich gefragt, woher die weltweite Begeisterung für diese Weine kommt. Denn das haben die Kollegen aus dem Burgund wirklich hinbekommen: Weltweit sind Weine von Rousseau, Mugnier, Coche-Dury oder  Romanée-Conti nicht nur extrem gesucht und entsprechend euphorisch kommuniziert. Sie sind auch exorbitant teuer. Und zugegeben – auch geschmacklich von einer anderen Welt. Zumindest die Grand Cru Lagen. Nur machen diese Weine nicht einmal 1% der Weine des Burgund aus. Und der Rest profitiert vor allem vom Image der großen Brüder. Die Spanne zwischen himmelhoch und grottendüster kann ziemlich groß sein. Da sehe ich die deutschen – und speziell die fränkischen – Spätburgunder geschmacklich dichter beieinander. Natürlich, die Säurestruktur des Spätburgunders ist anders, er hat zartere Frucht, trotzdem ist er sehr wohl fein, straff und vor allem elegant. Der Stil ist sicher anders – aber keinesfalls schlechter.

Rudolf May RECIS Spätburgunder 2006

Im Pro Wein Programm habe ich wie gesagt eine Veranstaltung entdeckt: „Spätburgunder aus Franken und Pinot Noir aus dem Burgund in der großen Blindverkostung. Also wieder diese Geschichte, mit Frank-reich und Frank-en und der Frage nach dem Spätburgunder vs. Pinot Noir. Ich bin gespannt wie die Sache ausgeht. Schließlich haben Auseinandersetzungen zwischen den beiden Regionen eine gewisse Tradition. Im Jahr 500 besiegten die Franken unter Chlodwig I. die Burgunden unter Gundobad in der Schlacht bei Dijon. Mal sehen – vielleicht besiegen die Franken die Burgunder diesmal bei der Schlacht von Düsseldorf. Es wird auf jeden Fall wesentlich weniger Blut fliessen. Dafür mehr Wein. Und vielleicht auch ein Rinnsal der Erkenntnis.

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