RIESLING 2007: ZEHN JAHRE DANACH

RIESLING 2007: ZEHN JAHRE DANACH

Riesling 2007 – das war in Deutschland augenscheinlich ein ganz guter Jahrgang, viele VDP Winzer zeigten sich damals in ersten Reaktionen ausgesprochen zufrieden. Zehn Jahre danach ergab sich für mich die Gelegenheit, immerhin 15 der bekanntesten Rieslinge des Jahrgangs zu verkosten. Dabei war auch ein Vertreter aus Franken, der Centgrafenberg Auslese trocken vom Weingut Rudolf Fürst. Leider hatte der Wein einen massiven Korkfehler, ich hätte ihn wirklich gern im Vergleich mit den Spitzen der Pfalz, Nahe, Rheingau und Mosel verglichen. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

Die Weine wurde verdeckt verkostet und in Dreier-Flights probiert. Alle warne soweit ich das beurteilen kann, perfekt gelagert, es waren keine Regalleichen darunter. Um das Resümee vorweg zu nehmen: Schon vor zehn Jahren schien sich ein Wachwechsel in der Hierarchie der deutschen Spitzenweingüter abzuzeichnen. Viele der heute hoch gehandelten und teilweise ausserordentlich teuren Weine zeigen im Reifestadium was sie können. Vor zehn Jahren waren sie noch nicht alle so im Fokus der breiten Weinöffentlichkeit, die Probe, die ganz sicher nur einen Ausschnitt bieten konnte, machte aber deutlich, dass sie genau da hingehören.

Spitzen von Nahe, Rheinhessen und Pfalz

Als Spitzentrio kristallisierten sich Klaus-Peter Keller Kirchspiel, Emrich-Schönleber Halenberg GG und Battenfeld-Spanier Frauenberg GG heraus. Drei Rieslinge, die bei aller Unterschiedlichkeit alle einen gemeinsamen Stil haben. Schlank, mit klarem mineralischen Profil, wenig bis gar keine Primärfrucht. Und schon gar kein Petrol, jedenfalls nicht im aktuellen Stadium. Weine, wie geschaffen für eine lange Zukunft mit intellektuellem Trinkvergnügen. Das gilt auch für den ‚Sieger der Herzen‘, Koehler Ruprecht Auslese trocken RR ist ein extremer Wein, dessen verschlossene Art nicht jedem gefiel. Aber auf eine in weiter Zukunft liegende Genussreife hindeutet. Es sind keine Weine zum ‚Saufen‘, dafür sind sie schlicht zu anspruchsvoll. Aber dafür gibt es ja auch Kabinette …

(1) Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese Trocken … sehr typisch, viel Frucht. Elegant ohne Alter. Aber er spielt nicht mehr vorne mit, die Zeit und der Stil sind über ihn hinweg gefegt. Das kann man klassisch nennen – oder langweilig.

(2) Karthäuserhof S Auslese Trocken „S“ … mit viel Petrol, dicht, an den Rändern leicht Alkoholisch. Er hat keine Harmonie, aber auch keine prägende Individualität. Bestenfalls Durchschnitt. Ungewöhnlich, vielleicht der Jahrgang?

(3) Heymann-Löwenstein Uhlen „R“ Roth Lay GG … ist sehr eigen, voll würziger Opulenz. Wie immer mit cremigem Schmelz. Mein Stil, bin eingetrunken in den HL Stil und nicht objektiv. Er kann objektiv nicht mit den Besten des Jahrgangs mitspielen. Bleibt aber immer ein gern gesehener Sonderling in meinem Geschmacksportfolio.

(1) Dönnhof Hermannshöhle GG … ist feingliedrig wie wenige andere, fast zart und verspielt. Dazu eine Länge, die woanders fehlt. Viel Herbheit. Aber es bleibt ein Gefühl von ‚Da muss doch noch was kommen?‘ Das sich nicht auflöst. Gut, spannend – aber nicht groß.

(2) Emrich-Schönleber Halenberg GG … lässt die Nase rätselnd suchen und auch die Farbe deutet niemals auf 10 Jahre. Im Mund fast keine Alterung. Perfekte Balance zwischen Körper, Säure und Mineralien. In seiner inneren Geschlossenheit unendlich mysteriös und geheimnisvoll. Das ist einfach und simpel: Sensationell! In dieser Jahrgangsauswahl der „Sieger“.

(3) Weil Kiedricher Gräfenberg GG … ist schon in der Nase gealtert. Im Mund deutlich bitter und schlank, um nicht zu sagen dünn. Kein wirklich großer Wein. Enttäuschung.

(1) Bassermann Jordan Forster Jesuitengarten GG … will nichts verraten, außer dass er eine pikante Säure bereitstellen wird. Die Säure ist im Abgang auch sehr präsent, ist das prägende Element. Mit Luft kommt eine feine Nasssteinnote dazu. Zwei Stunden Luft und er bekommt einen Zug der ohnmächtig macht. Prescht von hinten doch noch in Spitzengruppe!

(2) Pfeffingen Weilberg GG … zeigt (endlich) den Klebstoff in der Nase, den man von reifen Rieslingen erwartet. Aber zugegeben immer noch sehr dezent. Ist in diesem Flight der fordernste. Dabei schlank, stimmig, ausgesprochen harmonisch. Eine wirkliche Überraschung in diesem Probenumfeld, nicht nur in diesem Jahrgang. Hat noch Luft!

(3) Rebholz Kastanienbusch GG … strotzt vor Honig, wirkt sehr gereift. Schmeckt auch so, dabei ist ganz am Ende sogar noch richtig Säure da. Aber keine innere Harmonie, auch keine Spannung. Ganz untypisch für Winzer und Lage. Schwierige Flasche?

(1) Klaus-Peter Keller Kirchspiel … erstmal sucht und findet die Nase kühlen Kalk. Feine Spannung, nervig. Sehr zart im Mund, tolle Balance, eine Eleganz wie Wenige. Der Inbegriff von Salzigkeit. Und in dieser Form ein potenzieller Verlierer in jedem Tasting, weil ohne aufdringliche Eigenschaften. Ein Wein zum Zuhören, nicht zum Reden. Groß.

(2) Battenfeld-Spanier Frauenberg GG … ein kräftiger Kollege, aber nicht plump, eher sehnig-kräftig. Riesling wie er idealtypischer nicht sein kann. Schlicht ein Role Model. Dabei bleibt der Wein immer im Rahmen, wird nie laut. Und bleibt dennoch – oder vielleicht deshalb? – im Gedächtnis.

(3) Künstler Hochheimer Hölle Goldkapsel trocken … in der Nase erstmal Campino, jede Menge etwas überlauter Exotik. Mit viel Luft und vor allem im Mund wird es besser, es verändert sich dann analog auch die Nase. Er wird sehr schlüssig, in sich erklärend. Aber es wird nicht groß, es fehlt jede Form von Mut zum Wahnsinn oder zum Risiko. Bleibt hinter den Möglichkeiten.

(1) Klaus-Peter Keller Abtserde GG … auch etwas Klebstoff in der Nase. Dann Akazie, leicht überreifer Apfel. Hang zur Üppigkeit. Etwas Barock. Mehr Schliff und Opulenz als das Kirchspiel, aber immer noch sehr fein und elegant. Sicher eine Benchmark- aber ob die aktuelle Preisrallye sich wirklich wieder spiegelt, wage ich zu bezweifeln.

(2) Koehler Ruprecht Auslese trocken RR … Adstringenz schon in der Nase. Unfassbar verschlossen, riecht wie frisch gefüllt. Kräutrige Art, vollkommen wild und unkonventionell. Ätherisch, Minze, alle drei Minuten ein anderer Wein. Sicher einer der solitärsten trockenen Weißweine Deutschlands. Extrem fordernd und anstrengend. Braucht noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Der wahrhaft aussergewöhnlichste Wein in der Probe.

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