Goldene Rebschere: Gereifte Silvaner vor!

Goldene Rebschere: Gereifte Silvaner vor!

Alle zwei Jahre wird die Goldene Rebschere verliehen, der Preis für den besten Silvaner. Voller Authentizität, mit Tradition und Zukunft: So sehen die Veranstalter ihre Lieblingsrebsorte und stellen das beim Galadiner anlässlich der Preisverleihung auch deutlich heraus. Die Siegerweine und das begleitende Menu von Kochlegende Ingo Holland waren perfekte Werbung für die immer noch unterschätzte Rebsorte.

130 Mitglieder hat das Silvaner-Forum, ein vergleichsweise kleiner Haufen in der Weinwelt. Er bildet das Standing der Rebsorte aber relativ gut ab, in Deutschland hat Silvaner nur in Franken und Rheinhessen eine nennenswerte Bedeutung, international kommt er kaum über den Exoten-Status hinaus. Das ist ausgesprochen schade, denn gerade in der Gastronomie müsste das karge, mineralische Wesen des Silvaner viel stärker gesucht sein. Zur modernen, mit Fermentation und Kaltgarmethoden experimentierenden Küche passt Silvaner wie nur wenige andere Weine. Er bietet die Struktur und Feinheit die von vielen Weintrinkern gesucht wird.

Silvaner Forum: Silvaner steht für Langlebigkeit

Das er auch mit klassischer Moderne harmoniert, zeigte Ingo Holland in seinem Menu. Der Schweizer Stuben geschulte Koch alter Schule entbeinte und füllte Wachteln, stellte Krustentierbisque und Foie gras auf den Tisch. Es war eine große Verbeugung vor der Kochkunst der 80-er Jahre – und die Silvaner fügten sich prächtig ein. Der Siegerwein in der Kategorie „Gereift“, ein 2006 Iphöfer Julius-Echter-Berg vom Weingut Ernst Popp zeigte mit Frische, Eleganz, viel Schmelz und Reife ohne jeglichen Alterungston, zu was Silvaner in der Lage ist. Er kam zur gebratenen Entenstopfleber mit glasierten Weintrauben, krossem Speck und Schalottenjus. Die leichte Nougatnote im Wein verband sich perfekt mit der Cremigkeit der Leber, seine immer noch lebendige Säure fand sich in den begleitenden Trauben. Große Küchen- und Kellerkunst! Und völlig zu Recht mit einer Goldenen Rebschere ausgezeichnet. Also der Wein.

Das Ansehen einer Weinregion steigt mit der Langlebigkeit seiner Weine

Diese vergoldete Rebschere – über deren ästhetische Qualität sicher zu diskutieren wäre, aber für welchen Pokal im Weinbereich gilt das nicht? – wird im Zwei-Jahres-Rhythmus für herausragende Silvaner-Weine verliehen und in diesem Jahr zum 9. Mal ausgetragen. Auch wenn der Preis als ‚International‘ ausgeschrieben ist – Silvaner spricht deutsch. Franken mit 60% und Rheinhessen mit 32% der angestellten 427 Weine im Wettbewerb, machen den Löwenanteil aus. (Eine ausführliche Liste der besten Weine in allen Kategorien findet sich hier) Trotz dieser starken deutschen Ausrichtung sieht sich der Verein als überregionales Sprachrohr der Rebsorte. Wie Wettbewerbsleiter Hermann Mengler sagte, geht es dem verein und im Wettbewerb darum die besonderen Stärken dieser Rebsorte herauszustellen. So sei das Reifepotential der Rebsorte noch lange nicht allen Weintrinkern klar. Die Hoffnung auf mehr Anbau in der Fläche ist nicht der Punkt.

Silvaner gewinnt mit dem Alter an Komplexität

Wichtig ist den 130 Mitgliedern des Silvaner-Forums, das Reifepotential der Rebsorte deutlicher unter Beweis zu stellen. Was auch mit dem 2009 Silvaner trocken Frickenhausen Kapellenberg vom Weingut Meintzinger gelang. Immer noch jugendlich straff, deutlich vom neuen Holz geprägt, konnte er der mit Morcheln gefüllten Wachtel Paroli bieten. Kein wirklich sommerlicher Gang, aber was soll es, ist ja bald Herbst. Und der Winzer will den Wein auch erst im nächsten Jahr wieder auf die Verkaufsliste nehmen.

Neben dem unbestreitbaren Reifepotential ist auch die Frage nach den (edel)süssen Möglichkeiten des Silvaner nicht abschließend geklärt. Denn häufig steht die würzige Mineralität der Rebsorte der Süße im Weg, viele restsüsse Silvaner sind am Gaumen unharmonisch. Nicht so die schwebende Trockenbeerenauslese vom Weingut Höfling. Nach einer kurzen Frischeattacke erfüllt cremige Wollust den Mundraum, ein Wein, der die Balance zwischen Süsse und Frische perfekt beherrscht. Und in frühestens 20 Jahren seinen Höhepunkt erreichen dürfte.

 

Die Siegerbetriebe und -weine im Überblick:

Kategorie „Basic“ | Weingut Christoph Steinmann „2016 Sommerhäuser Ölspiel Silvaner trocken“

Kategorie „Premium“ | Weingut Russbach „2012 Eppelsheimer Felsen Silvaner Spätlese trocken“.

Kategorie „Solitär“ | Weingut Meintzinger „2009 Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner trocken“

Kategorie „Nobel“ | Weingut Höfling „2015 Silvaner TBA Homburg Gössenheim“

Kategorie „Gereift“ | Weingut Ernst Popp „2006 Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Spätlese trocken

Kategorie „International“ | Eisacktaler Kellerei „2016 Eisacktal Sylvaner ‚Aristos‘“.

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