SO SEHEN SIEGER AUS: FRANKEN BEST OF GOLD

SO SEHEN SIEGER AUS: FRANKEN BEST OF GOLD

Mehr Eleganz, Frische und Mineralität, weniger Wucht und Frucht – so lässt sich ein wenig verallgemeinernd der Trend in Frankens Weinszene zusammenfassen. Bei der Prämierung der 10 Besten Weine des letzten Jahres zeigte sich, dass die Stilistik fränkischer Spitzenweine sich wandelt. Wie ich finde – zum Besseren!

Im Prinzip mag ich fränkische Weine. Ihre Mineralität, die Geradlinigkeit, das Ungekünstelte und die immer noch unterschätzte Rebsorte Silvaner haben mich für die WinzerInnen und Weine aus dem Norden des Freistaats Bayern eingenommen. Nur sind mir die Franken – wie ihre Weine – manchmal etwas zu wenig selbstbewusst. Wo andere mit Pauken und Trompeten für Wein, Landschaft und Rebsorten werben, hält sich der Franke vornehm zurück. Das ist einerseits charmant und löblich, vorlautes Geplapper hört man viel zu oft, aber manchmal würde ich mir mehr erkennbares Selbstbewusstsein wünschen. Denn die Weine der diesjährigen Best of Gold Prämierung waren es durch die Bank wert, gehört und getrunken zu werden. Die zehn Preisträger – in der Reihenfolge wie sie präsentiert wurden –  in meiner komplett subjektiven, aber so vor Ort erschmeckten Meinung:
Domina
Das Weingut Höfling konnte mit seiner Domina 2011, Stettener Stein aus dem Barrique punkten. Dunkles Kirschrot, am Gaumen warm, balsamisch, Gewürze: Zimt, Nelke. Schwarzkirsche, ein Hauch Lakritz, dazu Schlehen im Mund. Dank wirklich geglücktem Holzeinsatz sehr geschmeidig. Perfekt zum Wildgeflügel.
Schmitt's KInder
Weingut Schmitt’s Kinder, Spätburgunder Sonnenstuhl GG 2009: Helles Kirschrot, Florale Noten in der Nase, Veilchen, dazu Zeder und Kakao. Auf der Zunge rote Frucht – Johannisbeere, helle Kirschen – und ein samtiger Druck, tolle Gerbstoffe. Dezente Toastnoten vom Holz, wirklich lang im Abgang. Verspielt und kraftvoll zugleich. Braucht sicher viel Zeit auf der Flasche.
Popp Ernst
Silvaner Kabinett Iphöfer Kalb, Ernst Popp 2013: Im ersten Moment etwas dropsig in der Nase, verfliegt aber nach ein paar Minuten. Dann: Weisse Blüten, Apfel, etwa medizinal. Im Mund weich und schmeichelnd, lebendig durch die Säure aber eher untypisch verhalten mineralisch, mit etwas mehr Wärme kommt eine feine Mandelnote durch. Für einen Kabinett ausgesprochen vielschichtig.
MundART
MundART – Müller-Thurgau 2013 Thüngersheimer Johannisberg vom Weingut Geiger & Söhne: In der Nase exotisch und floral, etwas Macis. Am Gaumen cremig- schmelzend, Mango, Blutorangen. darunter ein festes mineralisches Fundament. Erstaunlich und für den Preis (selber suchen) ein echtes Fundstück!
Dass ich mich bei guten Silvanern aus dem Holzfass immer wieder ins Burgund versetzt fühle, habe ich mehr als einmal kundgetan. Rainer Sauer mit seinem Silvaner ‚L‘ 2012 lässt aber an Condrieu denken, an Viognier: Denn die Nase wird erstmal mit einem leichten Alkoholwind irritiert, das kennt man auch im Süden Frankreichs. Dann ist da aber Aprikose, sehr süss und reif. Das bleibt auch im Mund so, wobei der Alkohol nicht mehr stört. Stattdessen sorgt die glasklare Säure für Struktur, für Frische. Bleibt sehr lange am Gaumen. Wird mit einigen Jahren Flaschenreife noch deutlich zulegen.
Riesling Spätlese 2012 Michelbacher Apostelgarten, Weingut Amin Heilmann: Der Mann verdient besondere Beachtung, in insgesamt vier Kategorien war er mit seinen Weinen unter den letzten drei, mit diesem Riesling hat er den ersten Platz gemacht: Leicht ätherische Nase, gelb-orange Früchte. Nektarine, Marille. Im Mund von der Mineralität geprägt, fast etwas salzig, steinig. Kräftiger Körper, bleibt am Gaumen.
TraminerLWG Explore
Ach ja, meine heimliche Liebe, der Traminer. Gerade mal 600 bis 700 Flaschen werden von diesem Nischenprodukt (!) produziert. Dabei bietet der Traminer Würzburger Abtsleite 2012 vom Weingut Juliusspital alles was der (Gewürz-)Traminer Freund schätzt: Rosenduft! Rosenduft! Und Hibiscus! Eine wahre Duftorgie. Im Mund ganz klar und sauber, überhaupt keine störenden Fehlnoten wie Bitterkeit. Einfach glasklar und süss im Mund, aber nicht pappig oder sättigend.
Einfach animierend schön – und mit richtiger Länge. Herrlich!
Die Bayerische Landesanstalt für Wein – und Gartenbau ist mit einer spannenden Weissweincuvée (Weißburgunder/Silvaner) unter den Gewinnern. Der Explore 2012 zeigte in der Nase sofort das Holz vom Ausbau. Im Barrique vergoren und ausgebaut, 3 Monate auf der Vollhefe. Folgerichtig sehr viel Extrakt, körperreich. Cremig-viskos im Mund, etwas kantig und mächtig. Braucht sicher noch 2 – 3 Jahre auf der Flasche.
                                 Sauer Horst Eiswein Staatlicher Hofkeller
Silvaner Eiswein 2012, Escherndorfer Lump, Horst Sauer: Der Mann hat ein Dauerabo auf den ersten Platz bei den Edelsüssen. Wer den Wein im Glas hat, weiss warum: Ölig im Glas, strömt der Duft getrockneter und kandierter Früchte in die Nase. Im Mund Quittengelee, Datteln. Erstaunlich wie leicht der Wein über die Zunge geht, die Säure macht ihn regelrecht leicht, trotz des riesigen Extrakts. Bleibt 2 Minuten am Gaumen, unendlich …
Staatlicher Hofkeller, Riesling Beerenauslese Würzburger Stein 2012: In der Nase florale Noten neben reifem Pfirsich, die dicken, gelben italienischen!  Dazu Honig, frischer Blütenhonig. Am Gaumen ein Hauch Ingwer, Datteln. Auch hier unter all dem eine lebendige Säure, die den Wein fast leicht wirken lässt.
Wer mehr über die Sieger wissen möchte, findet Infos unter dem Link. Und ich klapper dann mal munter weiter für den Frankenwein …

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