FRANKEN VORNE: BEST OF GOLD 2017

FRANKEN VORNE: BEST OF GOLD 2017

Jedwede Formen von Wettbewerb, inklusive Preisverleihung im festlichen Rahmen, sind seit einigen Jahren nicht mehr aus der öffentlichen Wahrnehmung wegzudenken. Ob Hundehalter, Angelvereine, Comedians oder Kürbiszüchter – der Drang nach Festivität und ein wenig öffentlichem Glanz ist ungebrochen. Es lässt sich das wenig schmeichelhafte Wort „inflationär“ für die Häufung dieser Veranstaltungen verwenden; ausgenommen sind da selbstverständlich alteingeführte Ereignisse wie die Oscarverleihung und der „Best of Gold“ Weinwettbewerb in Franken . Das Erste aus rein objektiven Gründen und quasi als Mutter all dieser Veranstaltungen, das Zweite aus rein subjektiven Gründen. Schließlich gehöre ich seit einigen Jahren als Juror dazu.

Ihn will jeder haben: Ceratit Nodosus (Versteinerter Kopffüßer)

Die 14. Ausgabe des Wettbewerbs schien alle Grenzen zu sprengen. Mit einer Rekordanstellung von 363 Weinen aus 93 Betrieben musste soviel wie nie zuvor probiert werden. Schwerstarbeit für die fränkischen Weinprinzessinnen – sie schenken traditionell die Weine aus – und die 44-köpfige Jury. Denn das ist nun wirklich einmalig – in Franken finden Verkostung und Preisverleihung an einem Tag statt. Das Ergebnis der Veranstaltung ist hier nachzulesen. Die Eckdaten zeigen eines deutlich – die Veranstaltung wird offensichtlich ernst genommen. Von den Winzern – die munter anstellen – und den Verkostern – Journalisten, Sommeliers, Weinfachhändlern – die aus der ganzen Republik nach Würzburg gereist waren. Wie es Hermann Mengler, der Weinfachberater des Bezirks Unterfranken so griffig auf den Punkt brachte: „Ohne Degustatoren wären wir verloren“.

Mehr als nur ein Wettbewerb

Spass beiseite: Diese Degustatoren haben neben der Juryarbeit noch einen zweiten Auftrag: Den fränkischen Wein kritisch zu begleiten. Nicht zuletzt durch ihre Wertung verdeutlichen sie, welche geschmacklichen Entwicklungen gesucht werden. Das zeigte sich nach meiner unmaßgeblichen Meinung deutlich: Es gibt so etwas wie einen Trend, zumindest bei der Leitrebsorte Frankens, dem Silvaner. Weg vom Holz, von üppiger, leicht Kokos-Vanille lastiger Cremigkeit, hin zur mehr Straffheit, Zug und Biß. Auch der eine oder andere Maischestand war klar zu schmecken. Gut so! Denn nur mit dieser klareren, präziseren Stilistik lässt sich auch erreichen was Frankens Weinbaupräsident Artur Steinmann zum Ziel der Franken erklärte: Die Einzellagen sollen bewusst herausgestellt werden, also weg von der Großlage, hin zur Individualität. Schließlich ist Franken ‚Trias‘, die wahrscheinlich weltweit einzigartige Mischung aus drei Bodenformationen – Keuper, Muschelkalk, Buntsandstein – die jeweils schmeckbar unterschiedliche Weine entstehen lassen. Und das in einem doch relativ überschaubaren Anbaugebiet.

Was macht ‚Schönburger‘ in Franken?

Der Wettbewerb selbst war wie in jedem Jahr perfekt organisiert. Mit einem Novum – ein angestellter Wein, Rebsorte Schönburger, war so aromatisch, dass er noch während des Wettbewerbs in die Verkostungsgruppe „Aromarebsorten“ verschoben wurde. Die knallige Traminernase disqualifizierte den Wein für meine Verkostungsgruppe „Fruchtrebsorten“. Zum Glück war der Wein allerdings schon im Glas, als der Einordnungsfehler deutlich wurde – denn ich liebe Aromarebsorten. Mein Eindruck: In der Nase vordergründiger als im Mund, schmeckte wie ein Muskateller trocken. Mit zarter Bitternote, überraschend komplex, vielschichtig. Sollte kein Problem sein diesen Wein zu finden, in Franken ist nur ein (!) Hektar damit bestockt. Damit aber nicht genug der Überraschungen. Die verbliebenen Weine im Flight – zwei Müller-Thurgau – sorgten am Tisch für Entzücken. Keine  Ahnung was das war, schließlich wird ja verdeckt verkostet – aber das hatte vieles, was man sich von einem Weißwein erhofft. Spiel im Mund, eine perfekte Balance zwischen Cremigkeit und Frische, gute Länge, und über allem das Gefühl: Davon möchte ich ein zweites Glas. Oder zumindest das erste austrinken. Das Wort Trinkfluss wird ja in letzter Zeit geradezu inflationär gebraucht, hier passte es wirklich.

Fazit: Nächstes Jahr wieder!

Nein, es war ein wirklich gelungener Wettbewerb, der „Best of Gold 2017“. Mit in Summe überraschendem Ergebnis – mit Horst Sauer, dem Dauergewinner in Sachen Süsswein, war nur ein VDP-Betrieb unter den zehn Siegerweinen vertreten – und Jurymitgliedern, die auch Stunden später noch darüber schwadronierten, wie nur der Wein ‚xy‘ aufs Siegerpodest gelangen konnte. Muss wohl an den unterschiedlichen Geschmäckern der Juroren liegen.

Und daran gibt es nun wirklich, wirklich nichts auszusetzen.

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