MAX MÜLLER I: MAIN. SILVANER. ROCKT.

MAX MÜLLER I: MAIN. SILVANER. ROCKT.

Es steht völlig außer Frage – die Silvaner des Weinguts Max Müller I gehören zum Besten, was Franken zu bieten hat; seit Junior Christian im Betrieb ist, fangen die Silvaner sogar an zu rocken. Neue Weine aus alten Rebanlagen, gezielter Holzeinsatz und Maischegärung sind die Schlagworte, mit denen die Müllers auf dem Weg an die Spitze sind. It’s a long way to the top if you wanna Rock’n’Roll …

Tätowierung Titel
Der Weinberg ist sein Revier, seine Verantwortung. Christian Müller steht in Jeans und Chucks im Escherndorfer Lump und erklärt Lage, Reben, Weinbergsarbeit. Vater Rainer, sonst kaum zu stoppender, quirliger Botschafter seines Weines, lässt dem Junior Zeit und Raum für die Ausführungen. Ein Team ohne interne Positionskämpfe. „Er verdient das Geld, ich gebe es aus“, schmunzelt der Junior und fasst die Aufgabenteilung im Betrieb ironisch zusammen.
Christian ist nach seiner Ausbildung und dem Studium voll in den Betrieb eingestiegen, seine Ideen und Vorstellungen prägen schon jetzt die Arbeit im Weinberg. Die Vorzeigelage Escherndorfer Lump sieht keinen Mineraldünger mehr, Christian greift so wenig wie möglich in die Abläufe ein. Wenn ich über Lage spreche, verbietet sich jeder technische Eingriff“, sagt der Mann mit dem tätowierten Heimat-Statement auf dem Unterarm, seiner mit Abstand plakativsten und lautesten Äußerung während des Besuchs. Fränkisch höflich, wie sein Vater, zurückhaltend, aber fest überzeugt davon, das Richtige für seine Weinberge, die Reben und seinen Wein zu tun. Das fängt bei der Bewässerung an, die er je nach Jahr und Lage variiert, aber immer auf ein Minimum beschränkt. Für ihn sind die Lagen klar zu unterscheiden, der Escherndorfer Lump ist ‚kalt‘, der Volkacher Ratsherr ‚warm‘. Was sich auch im Glas schmecken lässt. Etwa beim Ratsherr Silvaner 2014, schon in der Nase ist zu riechen „trocken“, er ist geprägt von einer deutlich staubig, würzigen Aromatik. Die Hitze fängt sich geradezu im Glas.

Christian Müller

Die Weine, die Christian in der auffallend freundschaftlichen Arbeitsteilung zusammen mit Vater Rainer – der im Keller der Meister ist – entstehen lässt, sind ebenfalls geprägt vom behutsamen Einsatz der Technik. Edelstahl ja, denn die Frische der Weine, vor allem im Basisbereich, soll erhalten bleiben. Alle Müller-Weine zeichnet Reintönigkeit und Frische aus, sind im besten Sinn des Wortes ’süffig‘.

Am oberen Ende der Qualitätsstufe gehen Vater und Junior konsequent neue Wege – die eigentlich alte sind. Bestes Beispiel ist der 2012 erstmals vinifizierte Mainstoff Silvaner, eine Selektion aus der Lage Volkacher Ratsherr. Zu 100% auf der Maische vergoren, nach einer Woche Mazeration bei 94°/95° hat er 5 Wochen auf der Maische gelegen. Die 2014 Fassprobe zeigte noch einen leichten Schwefelton, erinnerte im Geruch an die Gewürzmischung aus der Miracoli Packung. Im Mund dann aber sehr fein, sauber, ohne jegliche Fehltöne. Dafür mit sattem Gerbstoffgerüst und leichter Phenolnote. Christian sucht einen grünen Touch in diesem Wein, will dass er mit Druck am Gaumen hängt. Was ihm im nicht ganz einfachen Jahr 2014 geglückt ist.

 

Der Silvaner Alte Reben aus dem gleichen Jahr stammt aus der Lage Wilm, einem Teilstück des Sommeracher Katzenkopf. Er verführt mit zart-floraler Nase, die im ersten Moment über den mineralisch festen Kern hinwegtäuscht. Ein Wein mit Druck, Länge und viel mineralischer Substanz, was im Alter zu komplexen und eleganten Weinen führt. Der 2011 zum Beispiel ist trotz seiner Karamellnoten immer noch frisch und vital, überhaupt nicht ölig oder ältlich. Eher auf dem Höhepunkt und der perfekte Mitspieler bei einem ausgEigenart Max Mülleriebigen Menü.
Der Silvaner Eigenart wird in neuen Halbstückfässern (600 L) ausgebaut und zeigt auf traditionelle Weise, was alles mit der Rebsorte Silvaner möglich ist. Erstmals 2008 produziert, ist der bewusst nicht im Bocksbeutel abgefüllte Wein zu einem Markenzeichen des Betriebs geworden. Der aktuelle (2014) Jahrgang ist noch geprägt vom Holz, hat seine Mitte und Harmonie noch nicht gefunden, wie auch. Der 2011 zeigt aber wohin die Reise nach einigen Jahren Flaschenreife geht: Lindenblütenhonig und Maracuja in der Nase, dazu ein Hauch von Klebstoff, darunter ist ein mineralisch fester Unterbau zu spüren, der Wein füllt den ganzen Mund aus und bleibt doch nicht
kleben, sondern hallt ganz klar nach. Die Müllers arbeiten einfach gern mit dem ‚Medium‘ Holz wie sie sagen – eine sehr bewusste Wortwahl, wie der Eigenart deutlich zeigt.

 

Erstklassiges Lesegut, wenn nötig auch parzellenweise ausgebaut – Rainer und Christian Müller setzen auf kleine Behälter bei Lese und Ausbau, um das Risiko von unerwünschten Fehltönen, von Über- oder Unterreife zu minimieren. Besonders wichtig ist das auch bei ihrem gemischten Satz dem Lump 64 Alter Satz. Im rebsortenversessenen Deutschland fast schon eine Provokation, ist dieser 1964 bepflanzte Weinberg mit 55% Riesling, 40% Silvaner und 5% Traminer (!), Innovation und Tradition zugleich. Ein anspruchsvoller Weißwein, konzentriert, kraftvoll, mit viel Stoff. Druckvoll, jugendlich und mit großem Alterungspotential. Ein Wein, wie geschaffen für moderne Küche, für aromatische Experimente mit (halb-)vergessenen Gemüsen wie Topinambur, vielleicht in Kombination mit Zimt und Schweinebauch. Ein Wein, der die Fantasie anregt und dennoch niemals laut wirkt. Und trotzdem – Rockt!  Vielleicht ist der Weg ganz nach oben für die Müllers doch nicht mehr so weit …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.